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Einsatz Dechsendorfer Weiher 17.3.2013
18.03.2013 07:59 (2992 x gelesen)

Zehn Jahre alt und vermisst - Suche nach 10 jährigem Kind erfolgreich

Es ist ein tiefes Aufatmen. "Wir fliegen dann mal wieder weg", ruft der Pilot des Rettungshubschraubers in die Runde. Das Aufatmen war sicher stellvertretend für die vielen Einsatzkräfte, die am Sonntagnachmittag am Dechsendorfer Weiher eingesetzt waren.



Es gibt eine Art von Meldung, die immer eine gewisse Anspannung bei den Kräften - ehrenamtlich oder angestellt - auslöst. Immer wenn ein Kind beteiligt ist, herrscht diese. "Kind wird vermisst", so lautete die Meldung der Integrierten Leitstelle gegen 15 Uhr. Alarmiert wurde, nachdem der DLRGler Sören Brandmähl-Kraus der besorgten Familie am Weiher begegnete. "Eigentlich treffen wir uns Sonntagsmittags hier aus Kameradschaftlichkeit, und um ein wenig vorzuplanen."

Er erklärte, dass ihm wohl die Großmutter des Kindes erzählte, dass der zehnjährige Junge seit über zwei Stunden weg sei. Alle Sucherei habe zu nichts geführt. Für Brandmähl-Kraus war klar, dass diese Zeitspanne viel zu lange ist. Am Dechsendorfer Weiher ist dichtes Waldgebiet, nur schwer zu durchdringende Schilfgebiete und ewig viele Bäche, die spätestens in der Dunkelheit zum Verhängnis werden können. Abgesehen davon, dass man nicht wusste, ob der Junge nicht bereits zu diesem Zeitpunkt irgendwo verletzt im Wald liegt.
Da die Familie aus Würzburg kam und lediglich einen Spaziergang um den Weiher machte, war es auch nicht einfach herauszufinden, in welchem Gebiet sich der Junge aufhalten könnte. Für Brandmähl-Kraus gab es nur eine Entscheidung: Großeinsatz.

Wasserrettung inklusive Taucher, die Feuerwehren aus Dechsendorf und Röttenbach plus der Unterstützung der Erlanger Ständigen Wache, Hundestaffel, Notarzt und Rettungswagen - das Großaufgebot war innerhalb weniger Minuten alarmiert und vor Ort. Auch der Rettungshubschrauber wurde angefordert, um vielleicht von oben den Jungen zu entdecken.
Die Beschreibung war dürftig: Jeanshose, braune Jacke, blonde Haare, zehn Jahre alt - keine Anhaltspunkte, in welche Richtung er unterwegs sein könnte. Die DLRG konzentrierte sich vor allem auf die Wasserbereiche, mit dem Boot wurde der Weiher gekreuzt und die Ufer abgefahren. Die Röttenbacher Feuerwehr überprüfte vor allem den Weg von Röttenbach nach Dechsendorf, in zwei Stunden legt ein Kind sieben bis acht Kilometer zurück, erklärten die Experten.
Die Dechsendorfer Feuerwehr nutzte den "Heimvorteil" - die Schleichwege, die wenig belaufenen Trampelpfade, die Wege, die man nicht sofort erkennt, wurden von der Wehr kontrolliert. Eines hatten alle Suchenden gemein, wenn sie Spaziergänger trafen, fragten sie nicht nur nach, ob diese etwas gesehen hatten, sie baten auch darum Alarm zu geben, wenn sie etwas entdecken, wenn sie das Kind sehen. Denn eine Sorge wuchs von Minute zu Minute: Wenn die Dunkelheit einbricht und es deutlich kälter wird, wird die Suche nicht einfacher.
Letztlich war es dann der Heimvorteil, der zum Erfolg führte. Die Dechsendorfer Feuerwehr strafte alle Lügen, die sich immer wieder mal Gedanken machen, ob die "Ortswehren" noch benötigt werden. Mit dem Wissen über die Wege und dem "richtigen Riecher" wurde der richtige Weg gefunden. Es verführt fast zum Schmunzeln, dass beide Fahrzeuge der Dechsendorfer, unabhängig voneinander diesen bestimmten Weg befahren wollten. Das Mehrzweckfahrzeug von Röttenbach kommend, das Löschfahrzeug von der Verbindungsstraße Dechsendorf - Möhrendorf kommend.
Deren Mannschaft schilderte die Begegnung mit dem glücklicherweise gesunden Jungen folgendermaßen: "Der lief den Waldweg entlang und machte uns sogar noch höflich Platz, um uns vorbeizulassen. Erst auf die Nachfrage, ob er sich verlaufen habe, folgte ein schüchternes Ja!" Sichtlich erleichtert nahm der Knabe die Einladung an, im großen Feuerwehrauto zurück zu seiner Familie zu fahren.
Erleichterung auch bei den Einsatzkräften als die Dechsendorfer die erfolgreiche Suche über Funk bekannt gaben. Noch mehr Erleichterung bei der Familie, die bei der Einsatzleitung über eine bange Stunde zubrachte, bevor die Meldung kam.

Sören Brandmähl-Kraus dankte den Einsatzkräften für deren professionelles Engagement und den erfolgreichen Abschluss. Er sagte das gerne und schmunzelte ein wenig dabei. Denn erst vor Kurzem hatte er sich aus der Verwaltung in der Stadt Erlangen anhören dürfen, dass die "DLRG da draußen am Weiher eh' keine Einsätze habe."
Hier hatte sich gezeigt, wie wichtig diese DLRG in dem Erlanger Ortsteil ist, aber natürlich auch die Existenz aller anderen Rettungseinrichtungen.

Bericht Michael Busch, Fränkischer Tag
 

 


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