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Eine heiße Liebe und zwei kühle Köpfe
06.03.2011 08:34 (4990 x gelesen)

Ehrenamt Unseren Kameraden Bernd Nitsche und Werner Heilmann wurde eine besondere Förderung zuteil. Sie lieben ihr Ehrenamt, das sie seit Jahren mit viel Engagement ausüben.


Es war ein Stück Schnitzel, das sich Bernd Nitsche noch in den Mund schieben wollte; Werner Heilmann flüsterte seinem Nachbarn ein paar Worte, die nichts mit der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Dechsendorf zu tun hatten ins Ohr. Und beide erstarrten als sie aus dem Mund des 1. Kommandanten der Erlanger Ortsteilwehr, Thomas Schneider, ihre Namen hörten.  Das Schnitzel blieb auf dem Teller, fehlende  Worte wurden nicht mehr ausgesprochen.
Für den Laien vielleicht nur schwer vermittelbar, für den ehrenamtlichen Feuerwehrmann allerdings umso bedeutender: Die beiden seit 1977 in der Feuerwehr  tätigen Männer wurden  zum Oberbrandmeister befördert.

Überraschung pur
Ging es zuvor in der Versammlung um Einsatzzahlen, Ausbildungsmöglichkeiten, den Stolz auf die eigene Jugendgruppe und die Hoffnung auf mehr Nachwuchs – ging es um die gut geführte Vereinskasse durch Daniela Schneider und den gut geführten Verein mit seinen vielen Veranstaltungen, wie es der Vereinsvorsitzende Günther Sperner darlegte – plötzlich waren diese Dinge für die gut 70 anwesenden Feuerwehrleute nicht mehr wichtig. Denn mit der Beförderung wurden – auch wenn es im Grunde genommen keine Ehrung ist – zwei aktive ehrenamtliche Feuerwehrler für ihre ungewöhnliche und zeitaufwendige Arbeit belohnt.

rund genug bei den beiden mal nachzufragen, warum Schnitzel und geflüsterte Worte nicht mehr so wichtig waren. Werner Heilmann (57) und Bernd Nitsche (52) erinnern sich noch gut an ihre Anfänge bei der Dechsendorfer Wehr. 1977 sind die beiden „dazugekommen“ – im Rahmen des 80-jährigen Festjubiläums. Einer der Gründe: die ganze Clique ist damals zu den Wehrlern gegangen. Und, wie Heilmann zugibt: „Ein ganz pragmatischer Grund. Ich bin 20 Meter von der Sirene aufgewachsen“, sprich in Sichtweite des Gerätehauses in der Teplitzer Straße. Frei nach dem Motto: Wen die Sirene mich aus dem Bett schmeißt, kann ich auch mit löschen gehen!

Einsatzerfahrung hatten die beiden aber schon. Denn Heilmann war bereits bei der Werkfeuerwehr der Erba tätig, Nitsche war bei der DLRG engagiert. Doch die Feuerwehr lockte mehr. „Wegen der Technik, wegen der Kameradschaft.“ Das damalige Löschfahrzeug, ein LF 8, gehörte damals zu den modernen seiner Art; im Jahr seiner Abschaffung im Jahr 2010 wirkt es etwas antiquiert, ganz im Gegensatz zu den neu ernannten Oberbrandmeistern.

Und nicht nur die Fahrzeuge haben sich geändert.  Ebenso geändert hat sich die Ausbildung. Schmunzelnd erklären die beiden, dass es etwas wie die heutige Truppmannausbildung, die Atemschutzausbildung, nicht gegeben hat. „Learning by doing“ hieß der Leitspruch.  „Du warst Mitläufer und hast alles gelernt“, so Nitsche. Die Übungen haben  eine wichtige Rolle eingenommen, ebenso die zu erringenden  Leistungsabzeichen. Doch die alten Kameraden waren sicher die wertvollste Informationsquelle.

Erinnerung an den „Ersten“
Jetzt haben Heilmann und Nitsche diese Rolle übernommen, wobei das „alt“ sich tatsächlich nur auf die Erfahrung beziehen kann, nicht auf das frische Auftreten. Sie machen den Jungen immer noch einiges vor, was die Arbeit in dem  Ehrenamt  angeht. Dass man früher so einiges anders gemacht hat, spielt dabei auch eine Rolle. Ein Tritt an die Tür eines Autos, um eine Beule zu erzeugen, um in Folge mit der Brechstange ansetzen zu können, das macht heute wegen der modernen Werkzeuge keiner mehr, aber es ist gut zu wissen, dass es „Umwege“ gibt, um an ein Ziel zu kommen, „Vier platt gestochene Reifen machen ein Auto auch stabil“, gibt Nitsche zu. Selbstverständlich wird heute vernünftig untergebaut.

Der erste Einsatz? Bernd Nitsche erinnert sich noch gut an den Brand im Forsthaus. Die einen löschten oben im ersten Stock, die anderen versuchten den Wasserschaden im Erdgeschoss möglichst niedrig zu halten. Nitsche erinnert sich sogar noch daran, dass die Polizei wissen wollte, wer die Scheiben eingeschlagen hatte – zwecks der Überlegung eines eventuellen Einbruchs.

Heilmann ist auch ein erster Einsatz  im Gedächtnis geblieben. Nicht der erste als Feuerwehrmann, aber der erste als Kommandant. 1988 fuhr in Dechsendorf ein Golf Cabrio mit vier jungen Menschen in die dortige Tankstelle, überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. „Da waren die ganze Zeit Schreie“, weiß Heilmann auch noch 23 Jahre danach zu berichten. Einer der Unfallbeteiligten starb damals.

Doch auch das haben die beiden gelernt. Die Bilder anzugehen, die sich nach solchen Unfällen in die Köpfe drängen. Nicht nur die „echten“ Bilder – auch die Fantasien. Eine Suche nach einer vermissten Person belastet ebenso wie das „klassische Unfallbild“ selbst. Heilmann redete  bereits am Einsatzort mit den Kameraden. Die „Neuen“ schickt er in die zweite Reihe, lässt sie aber irgendwann schauen – nicht gaffen. Sie sollen wahrnehmen, Informationen sammeln lernen – ein voyeuristischer Feuerwehrmann ist fehl am Einsatzort.

In diesem Zusammenhang ist es dann allerdings schwierig, vom Spaß beim Hobby „Feuerwehr“  zu sprechen. „Es ist mehr Idealismus.“ Nitsche ist da realistisch. Die Aufgaben sind sicher nicht nur schön. Doch der „Spaß“ kommt durch das Wissen anderen geholfen zu haben, Schlimmeres verhindert zu haben. Es ist aber auch die Kameradschaft: In kaum einem anderen Verein sei man so aufeinander angewiesen. Man geht zusammen durch das Feuer – selten ist ein Sinnspruch richtiger. Heilmann: „Wir hängen voneinander an, das verschweißt.“

Und der Dank?  Oft sind es die  Blicke der Betroffenen oder ein paar aufmunternden Worte. Es sind nämlich „Allrounder“, immerhin wird von der Baumbeseitigung, über die Tierrettung bis hin zum schweren Unfall, die Brände nicht zu vergessen, alles absolviert.  Das Einzige was nicht regelmäßig „absolviert“ wird, zugegebenermaßen sogar auf der Strecke bleibt, sei die Familie. Es sind ja nicht nur die Einsätze. In der Zeit der beiden wurde das Gerätehaus viermal umgebaut – immer mit viel Eigenleistung. Es werden Aktionstage, Jubiläen, Umzüge und vieles mehr geplant und durchgeführt. „Da müssen die Ehepartner schon mitspielen, sonst funktioniert das nicht“, geben beide dankbar zu. „Ich geh’ mal kurz ins Feuerwehrhaus“, sei oft genug der Abschied für mehrere Stunden gewesen. Denn irgendetwas gibt es dort immer zu tun. „Muss das sein?“; „Kommst jetzt erst wieder heim?“  – „Wir müssen eine Lanze für unsere Frauen brechen.“

Viele NebensächlichkeitenDass Nitsche bei der Werkfeuerwehr Siemens festangestellt ist, dass Heilmann die Betriebsleitung der Erlanger Abfallentsorgung in seinen Händen hat, dass beide verheiratet sind, Kinder und Enkel haben, dass sie immer noch mit auf Einsätze gehen, all das sei nur am Rande erwähnt. Ebenso am Rande sei erwähnt, dass ihnen aufgefallen ist, dass vieles bürokratischer – „selbst für uns Freiwillige“ – geworden ist.


Am Ende des Artikels, aber sicher nicht am Rande, gibt es noch die Wünsche der beiden: Für sich, rund 50 Aktive Feuerwehrler in Dechsendorf und Tausenden in Bayern: „Wir wollen immer gesund vom Einsatz nach Hause kommen.“  Mehr Wünsche haben die beiden Oberbrandmeister nicht.


Text/Foto: Michael Busch

 

 

 


 

 

 



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